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Kommunikation ist eine Form der strategischen Interaktion, die in der Spieltheorie eingehend untersucht wurde und wird. Das Phänomen des Alignments in der Kommunikation kann als ein quasi-automatischer Adaptionsprozess beschrieben werden, der bei der iterierten Interaktion entsteht. Diese Art von konvergierender sozialer Dynamik in iterierten Spielen wird — vor allem in Hinblick auf ökonomische Phänomene — von der evolutionären Spieltheorie untersucht und mathematisch modelliert.
In ihrer biologischen Entwicklung unterliegt die Menschheit, soviel ist seit Darwin klar,
den Gesetzen der Evolution, also den Prinzipien der Selektion und Mutation. In vielerlei
Hinsicht ist aber auch die soziale Entwicklung der Menschheit durch ähnliche evolutionäre
Prinzipien geprägt. So wird eine Firma eher im Wettbewerb bestehen, wenn sie höhere Gewinne oder
niedrigere Kosten als ihre Konkurrenten aufweist. Aus historischer Linguistik, Soziolinguistik
und Kreolistik sind viele Fälle bekannt, in denen eine linguistische Konvention durch eine
weniger markierte — also in metaphorischem Sinne überlebensfähigere — Variante
verdrängt wird. Es liegt daher nahe, sowohl in ökonomischen wie in linguistischen Zusammenhängen
evolutionäre Modelle zu betrachten.
In der Volkswirtschaftslehre haben sich evolutionäre Ansätze inzwischen etabliert. So gibt
es eine reichhaltige Literatur zum Thema Lernen und Evolution in der Spieltheorie (siehe etwa
Fudenberg and Levine 1998 für einen Überblick) und in allgemeiner Gleichgewichts– und
Finanzmarkttheorie (Blume and Easley 2002). In der Linguistik waren evolutionäre Denkansätze
schon seit dem 19.Jahrhundert stets präsent. In den letzten zehn Jahren erleben sie sowohl in
der historischen Linguistik als auch in Bereichen der Computerlinguistik eine Renaissance.
Ziel des Projektes ist es, das analytische Instrumentarium der evolutionären Spieltheorie zur Erklärung der Eigenschaften von natürlichen Sprachen heranzuziehen. Die naheliegenden linguistischen Anwendungen werfen jedoch Modellierungsfragen auf, die die mathematischen Grundlagen der evolutionären Spieltheorie berühren. Insbesondere ist bei den meisten realistischen Modellen linguistischer Phänomene der Strategieraum unendlich, während die üblichen spieltheoretischen Lösungskonzepte eigentlich nur im endlichen Fall sinnvoll anwendbar sind. Weiterhin fokussieren evolutionäre spieltheoretische Analysen auf das Konzept der evolutionären Stabilität. Linguisten sind aber nicht nur, oder noch nicht einmal primär, an Stabilitätseigenschaften interessiert, sondern an Universalien, also Eigenschaften, die sich durch die evolutionäre Dynamik mit Notwendigkeit oder sehr hoher Wahrscheinlichkeit herausbilden — selbst in instabilen Zuständen. Nicht zuletzt liegen evolutionären Prozessen im kulturellen Kontext — wie eben bei der Sprachevolution — andere Dynamiken zu Grunde als die durch die Biologie motivierte Replikatordynamik.
Das Projekt soll sich deshalb in starkem Maße den Konsequenzen der spezifischen Anforderungen der linguistischen Anwendungen für die Grundlagen der evolutionären Spieltheorie widmen.
Parallel dazu und in ständigem Wechselspiel sollen die so entwickelten Konzepte anhand einer Reihe von Anwendungen aus verschiedenen linguistischen Teildisziplinen empirisch getestet werden.